netzpolitik.org» Netzpolitik-Podcast   /     NPP 168: Wenn MĂ€nner stalken, drohen und abhören

Description

Irgendwie weiß er immer, wo du bist und mit wem du gesprochen hast? Auch in Deutschland nutzen viele Spy-Apps, um Partnerinnen auszuspĂ€hen. Gemeinfrei-Ă€hnlich freigegeben durch unsplash.com Daria NepriakhinaImmer hĂ€ufiger fragen Frauen in Beratungsstellen an, wie sie sich gegen Spionage, Online-Stalking und andere Formen von digitaler Gewalt wehren können. Wir sprechen mit Anne Roth, Netzpolitik-Expertin der Linksfraktion, und Anna Hartmann vom Dachverband der Frauenberatungsstellen ĂŒber Ladekabel mit Abhörfunktion und Polizist*innen, die kein Twitter kennen.

Summary

Frau mit Handy am Bahnsteig

Subtitle
Duration
Publishing date
2019-03-09 09:00
Link
https://netzpolitik.org/2019/npp-168-wenn-maenner-stalken-drohen-und-abhoeren/
Contributors
  Chris Köver
author  
Enclosures
https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2019/03/NPP-168_-Wenn-Manner-stalken-drohen-und-abho%CC%88ren.mp3
audio/mpeg

Shownotes

Irgendwie weiß er immer, wo du bist und mit wem du gesprochen hast? Auch in Deutschland nutzen viele Spy-Apps, um Partnerinnen auszuspĂ€hen. Gemeinfrei-Ă€hnlich freigegeben durch unsplash.com Daria Nepriakhina

„Handys sind eine Schatzgrube. Wenn Sie das Handy Ihrer Freundin mit einer Spion-App ĂŒberwachen, werden Sie alles ĂŒber sie wissen und das auch ohne erwischt zu werden.“ Mit solchen SĂ€tzen wirbt der Hersteller einer beliebten Spionage-App online fĂŒr sein Produkt. Etwa 30 Euro im Monat kostet es, dann kann ein Freund oder Ex-Freund alle E-Mails und WhatsApp-Nachrichten mitlesen, die seine Partnerin schreibt, ihre Fotos sehen, ihren Standort verfolgen oder auch, was sie eigentlich auf Snapchat, Tinder oder Skype macht. Die Frau selbst bekommt das erst mal nicht mit.

So ein Eingriff in die PrivatsphÀre einer anderen Person ist extrem und doch ist das kein Einzelfall mehr. Wie Recherchen der Redaktion Motherboard ergeben haben, nutzen auch in Deutschland Tausende solche Apps. Eine Umfrage unter Frauenberatungsstellen aus dem vergangenen Jahr zeigt, dass es auch dort lÀngst zum Alltag gehört: Frauen, die mit Hilfe von Handys ausspioniert werden, deren Partner sich die Passwörter zu ihren Accounts und GerÀten aushÀndigen lassen, und bei Widerstand damit drohen, intime Bilder zu veröffentlichen.

Digitale Gewalt ist der Begriff, den Aktivist*innen und Fachleute in der vergangenen Zeit dafĂŒr geprĂ€gt haben: die Fortsetzung von Gewalt gegen Frauen mit technischen Mitteln. Das AusspĂ€hen und Erpressen der Partnerin gehört dazu, ist aber nur ein Aspekt. Gruppen auf Reddit tauschen sich ĂŒber die besten Techniken aus, um das Gesicht von ihnen unbekannten Frauen auf den Körper von Pornodarstellerinnen zu montieren. Andere verabreden sich in Foren zu Hass-Kampagnen gegen einzelne Frauen auf Twitter, veröffentlichen die Adressen von Politikerinnen und Feministinnen, oder schicken ungefragt Aufnahmen ihres Penis im Chat zu.

Ja, von solchen Angriffen sind auch MÀnner betroffen, sagt Anna Hartmann, die beim Bundesverband der Frauenberatungsstellen (bff) das Thema Digitale Gewalt betreut. Sie werden allerdings selten aufgrund ihrer GeschlechtsidentitÀt angegriffen, Frauen dagegen schon. Geschlechtsspezifische Gewalt nennt man das. Sie ist an sich nichts Neues, aber seit unser Alltag digitaler geworden ist, erstreckt sie sich nun auch in diese Bereiche.

Anne Roth ist Referentin fĂŒr Netzpolitik bei der Linkenfraktion. Sie hat vergangenes Jahr eine Anfrage der Fraktion zum Thema begleitet und auf dem Congress des Chaos Computer Clubs einen aufsehenerregenden Vortrag dazu gehalten. Gemeinsam mit ihr und Anna Hartmann sprechen wir ĂŒber die Frage, warum dieses Thema in Deutschland bisher so wenig Aufmerksamkeit bekommt, warum man Spionage-Apps nicht einfach verbieten kann (und so ein Verbot auch wenig bringen wĂŒrde), warum es mehr Menschen mit Technik-Ahnung in den Beratungsstellen brĂ€uchte und an welchen weiteren Stellen Geld, Studien und ganz schlicht guter Wille fehlen.


https://netzpolitik.org/wp-upload/2019/03/NPP-168_-Wenn-Manner-stalken-drohen-und-abho%CC%88ren.mp3

Wie immer könnt ihr den Podcast auch als OGG-Datei herunterladen.

Shownotes

  • „Aktiv gegen digitale Gewalt“, Info-Webseite fĂŒr Betroffene von digitaler Gewalt
  • Bundesweite Datenbank von Beratungsstellen, die sich mit digitaler Gewalt auskennen
  • Anne Roth auf Twitter
  • „Stalking, Spy Apps, Doxing: Digitale Gewalt gegen Frauen“, Anne Roths Vortrag auf dem 35C3
  • Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke zu Digitaler Gewalt inklusive der Antworten der Bundesregierung
  • „Sigi Maurer sammelt Spenden fĂŒr Klagen gegen Hass im Netz“ (netzpolitik.org)
  • „Voyeurismus: Das unsichtbare Verbrechen“ (Zeit Online)
  • „App Absher: MĂ€nner ĂŒberwachen Frauen nicht nur in Saudi-Arabien“ (netzpolitik.org)
  • Die Istanbul-Konvention oder auch: Konvention des Europarates zur VerhĂŒtung und BekĂ€mpfung von Gewalt gegen Frauen und hĂ€uslicher Gewalt
  • Gesetz gegen „Rache-Pornografie“ in New York (New York Times)
  • Cyber-Harassment-Helpline in Pakistan
  • Pakistanische Aktivistin Nighat Dad auf Twitter
  • Hamara Internet, ein Projekt zum Thema Digitale Gewalt gegen MĂ€dchen und Frauen in Pakistan
  • Technology Safety, eine Webseite des National Network to End Domestic Violence (NNEDV) in den USA
  • Zur Zusammenarbeit von NNEDV mit Facebook
  • Fachbereich Cyberstalking im FRIEDA Frauenzentrum Berlin
  • Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ des Bundesfamilienministeriums
  • Kleine Anfrage des Linken-Abgeordneten Dennis Lander im Saarland zu Digitaler Gewalt
  • Berliner Dienststelle fĂŒr Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung
  • Ergebnisse einer Umfrage zu Digitaler Gewalt unter Frauenberatungsstellen und Frauennotrufen
  • Webseite BSI fĂŒr BĂŒrger
  • Studie des Pew Research Centers zu Online Harassment aus dem Jahr 2014

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