Shownotes
Die Wiener Medizinische Schule ist stolz auf ihre glĂ€nzenden Leistungen. Doch es gab im Lauf ihrer Geschichte auch Entgleisungen. So ein tiefer Einschnitt sind die Jahre von 1938 bis 1945. Medizinhistoriker Herwig Czech befasst sich in dieser Episode mit den Folgen, welche die Ideologie der Nationalsozialisten speziell fĂŒr die Frauenheilkunde an der heutigen MedUni Wien hatte.
âAlle FĂ€cher der Medizin weisen eine Geschichte im Nationalsozialismus auf. Manche PhĂ€nomene haben sie gemeinsam, andere betreffen spezifische Verstrickungen. Bei der Frauenheilkunde ist es insbesondere die Beteiligung an der nationalsozialistischen Geburten- und Bevölkerungspolitik und hier ganz konkret die DurchfĂŒhrung der Zwangsrealisationen."
Basis fĂŒr diese unfreiwilligen Eingriffe war das âGesetz zur VerhĂŒtung erbkranken Nachwuchses", das 1940 in der damals sogenannten âOstmark" eingefĂŒhrt wurde. Ziel war ein ârassenreiner" Volkskörper. Die beiden Wiener UniversitĂ€tsfrauenkliniken spielten eine wichtige praktische Rolle. 230 Frauen mussten sich hier einer Zwangssterilisation unterziehen. Zentral verantwortlich fĂŒr die Organisation der Eingriffe waren die GesundheitsĂ€mter der Stadt. Czech dazu: âEs gab ausgedehnte Meldepflichten fĂŒr Ărzte, Hebammen und andere. Wenn ein Kind mit einer Behinderung auf die Welt kam, musste das an das Gesundheitsamt gemeldet werden."
Im Interview mit Martin Krenek-Burger geht es aber auch um die Rolle, welche die damals leitenden Ărzte an der Wiener Frauenheilkunde spielten, und um den Umgang mit den Opfern nach 1945. Zuletzt wird die Frage beantwortet, warum die BeschĂ€ftigung mit dieser dunklen Periode der Wiener Medizin auch 80 Jahre nach Kriegsende anhĂ€lt und wichtig ist.