Bredowcast (BredowCast MP3)   /     Bessere Regeln f√ľr Zugang zu Plattformdaten?

Description

Online-Plattformen sollen transparenter werden. Das ist eines der Ziele des Digital Services Act (DSA, Gesetz √ľber digitale Dienste), des bislang ambitioniertesten EU-Rechtsakts der Plattformregulierung. Er wird ab Februar 2024 vollst√§ndig anwendbar sein und von der Forschung mit Spannung erwartet. Denn: Der DSA sieht als zentrale Ma√ünahme f√ľr Anbieter von sehr gro√üen Online-Plattformen (monatlich 45 Mio. aktiver Nutzer*innen) die verpflichtende Einf√ľhrung sogenannter ‚ÄěForschungsdatenzug√§nge‚Äú vor. Ein potenzieller Meilenstein f√ľr die Forschung zu zentralen Ph√§nomenen im Kontext digitaler Medien ‚Äď beispielsweise Desinformationen, gesellschaftliche Polarisierung oder auch dem digitalen Rechtsextremismus.¬† Risikominimierung im demokratischen Sinne¬† ‚ÄěDer Gesetzgeber geht davon aus, dass gro√üe Online-Plattformen bestimmte Risiken f√ľr die Demokratie bergen, die er mit st√§rkerer Regulierung minimieren will‚Äú, sagt der Jurist Vincent Hofmann. Mit ‚ÄěRisiken‚Äú sind zum Beispiel die Verbreitung von rechtswidrigen Inhalten gemeint, digitale Gewalt, Gewalt gegen Minderheiten oder die Gef√§hrdung von Kindern und Jugendlichen. ‚ÄěHier setzt auch der Forschungsdatenzugang an. Alles, was Forschende mit Plattformdaten herausfinden wollen, muss sich auf diese Risiken beziehen, um sie auf lange Sicht besser verstehen und besser minimieren zu k√∂nnen.‚Äú¬†¬† Forschung mit Plattformdaten muss also auf ein bestimmtes, demokratisches Ziel einzahlen. Andere Forschungsvorhaben, wie zum Beispiel Marktforschung mit Daten aus Online-Plattformen, werden also nicht m√∂glich sein.¬† Meilenstein f√ľr die Forschung¬† Forschende erwarten die neue Regelung mit Spannung. ‚ÄěVor allem in meinem Bereich, der Erforschung des digitalen Rechtsextremismus, k√∂nnte der DSA vieles ver√§ndern‚Äú, erz√§hlt Jan Rau. ‚ÄěBislang war es manchmal durchaus frustrierend als Forscher zu wissen, man k√∂nnte wahnsinnig interessante Forschungsfragen beantworten, wenn man blo√ü an die Daten k√§me. Die Daten waren ja immer schon da, man bekam sie nur nicht, weil die Plattformen nicht kooperierten.‚Äú¬†¬† Forschungsdatenzug√§nge, wie sie sein sollten¬† Damit die Forschungsdatenzug√§nge, wie sie der DSA vorschreibt, nicht zum Papiertiger verkommen, sondern sie der Forschung optimal n√ľtzen, m√ľssen einige Dinge ber√ľcksichtigt werden. ‚ÄěDas f√§ngt damit an, dass man einen √úberblick dar√ľber bekommen muss, welche Daten es √ľberhaupt gibt‚Äú, sagt Jan Rau. ‚ÄěHilfreich w√§re ein √∂ffentliches Repositorium, das auflistet, welche Daten erfolgreich abgefragt werden k√∂nnen und welche nicht. Au√üerdem sollte das Datenvolumen, das abgefragt werden kann, nicht oder nicht stark begrenzt sein. Was die abzufragenden Daten konkret betrifft, w√§re es hilfreich, wenn wir Forscher*innen Einsicht bek√§men in beispielsweise die Reichweite bestimmter Postings und,die Moderationsentscheidungen der Plattform. Wichtig zu wissen w√§re auch, ob und wie die Plattform bestimmte Inhalte pusht und auf welcher Grundlage.‚Äú

Subtitle
Mit dem Digital Services Act der Europ√§ischen Union m√ľssen gro√üe Online-Plattformen k√ľnftig Zug√§nge f√ľr die Wissenschaft anbieten. Ein potenzieller Meilenstein f√ľr die Medienforschung. Jan Rau und Vincent Hofmann erkl√§ren, worauf es jetzt ankommt.
Duration
00:38:31
Publishing date
2023-05-25 10:05
Link
https://podcast.leibniz-hbi.de/2023/brc083-bessere-regeln-fur-zugang-zu-plattformdaten/
Deep link
https://podcast.leibniz-hbi.de/2023/brc083-bessere-regeln-fur-zugang-zu-plattformdaten/#
Contributors
  Leibniz Institut f√ľr Medienforschung | Hans-Bredow-Institut (HBI)
author  
Enclosures
https://podcast.leibniz-hbi.de/podlove/file/2251/s/feed/c/bredowcast-mp3/BredowCast 83.mp3
audio/mpeg

Shownotes

Mit dem Digital Services Act der Europ√§ischen Union m√ľssen gro√üe Online-Plattformen k√ľnftig Zug√§nge f√ľr die Wissenschaft anbieten. Ein potenzieller Meilenstein f√ľr die Erforschung digitaler Ph√§nomene. Die beiden Internetforscher Jan Rau und Vincent Hofmann erkl√§ren, was bei dem Gesetz ber√ľcksichtigt werden muss, damit es der Forschung optimal n√ľtzt.

Online-Plattformen sollen transparenter werden. Das ist eines der Ziele des Digital Services Act (DSA, Gesetz √ľber digitale Dienste), des bislang ambitioniertesten EU-Rechtsakts der Plattformregulierung. Er wird ab Februar 2024 vollst√§ndig anwendbar sein und von der Forschung mit Spannung erwartet. Denn: Der DSA sieht als zentrale Ma√ünahme f√ľr Anbieter von sehr gro√üen Online-Plattformen (monatlich 45 Mio. aktiver Nutzer*innen) die verpflichtende Einf√ľhrung sogenannter ‚ÄěForschungsdatenzug√§nge‚Äú vor. Ein potenzieller Meilenstein f√ľr die Forschung zu zentralen Ph√§nomenen im Kontext digitaler Medien ‚Äď beispielsweise Desinformationen, gesellschaftliche Polarisierung oder auch dem digitalen Rechtsextremismus.¬†

Risikominimierung im demokratischen Sinne 

‚ÄěDer Gesetzgeber geht davon aus, dass gro√üe Online-Plattformen bestimmte Risiken f√ľr die Demokratie bergen, die er mit st√§rkerer Regulierung minimieren will‚Äú, sagt der Jurist Vincent Hofmann. Mit ‚ÄěRisiken‚Äú sind zum Beispiel die Verbreitung von rechtswidrigen Inhalten gemeint, digitale Gewalt, Gewalt gegen Minderheiten oder die Gef√§hrdung von Kindern und Jugendlichen. ‚ÄěHier setzt auch der Forschungsdatenzugang an. Alles, was Forschende mit Plattformdaten herausfinden wollen, muss sich auf diese Risiken beziehen, um sie auf lange Sicht besser verstehen und besser minimieren zu k√∂nnen.‚Äú¬†¬†

Forschung mit Plattformdaten muss also auf ein bestimmtes, demokratisches Ziel einzahlen. Andere Forschungsvorhaben, wie zum Beispiel Marktforschung mit Daten aus Online-Plattformen, werden also nicht möglich sein. 

Meilenstein f√ľr die Forschung

Forschende erwarten die neue Regelung mit Spannung. ‚ÄěVor allem in meinem Bereich, der Erforschung des digitalen Rechtsextremismus, k√∂nnte der DSA vieles ver√§ndern‚Äú, erz√§hlt Jan Rau. ‚ÄěBislang war es manchmal durchaus frustrierend als Forscher zu wissen, man k√∂nnte wahnsinnig interessante Forschungsfragen beantworten, wenn man blo√ü an die Daten k√§me. Die Daten waren ja immer schon da, man bekam sie nur nicht, weil die Plattformen nicht kooperierten.‚Äú¬†¬†

Forschungsdatenzugänge, wie sie sein sollten

Damit die Forschungsdatenzug√§nge, wie sie der DSA vorschreibt, nicht zum Papiertiger verkommen, sondern sie der Forschung optimal n√ľtzen, m√ľssen einige Dinge ber√ľcksichtigt werden. ‚ÄěDas f√§ngt damit an, dass man einen √úberblick dar√ľber bekommen muss, welche Daten es √ľberhaupt gibt‚Äú, sagt Jan Rau. ‚ÄěHilfreich w√§re ein √∂ffentliches Repositorium, das auflistet, welche Daten erfolgreich abgefragt werden k√∂nnen und welche nicht. Au√üerdem sollte das Datenvolumen, das abgefragt werden kann, nicht oder nicht stark begrenzt sein. Was die abzufragenden Daten konkret betrifft, w√§re es hilfreich, wenn wir Forscher*innen Einsicht bek√§men in beispielsweise die Reichweite bestimmter Postings und,die Moderationsentscheidungen der Plattform. Wichtig zu wissen w√§re auch, ob und wie die Plattform bestimmte Inhalte pusht und auf welcher Grundlage.‚Äú¬†

 Links 

Vincent Hofmann 

Jan Rau 

Johanna Sebauer 

Leibniz-Institut f√ľr Medienforschung | Hans-Bredow-Institut¬†

 

Deeplinks to Chapters

00:00:25.478 Vorstellung Vincent Hofmann und Jan Rau
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00:00:33.709 Forschen mit Plattformdaten
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00:04:39.738 Digital Services Act (DSA) und Forschungsdatenzugänge
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00:10:08.343 Wie kamen Forscher*innen bislang an Plattformdaten?
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00:12:49.183 Um welche Daten geht es eigentlich?
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00:20:30.666 Forschungsdatenzugänge nach DSA
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00:24:48.585 Datenschutzrechtliche √úberlegungen
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00:28:27.176 Unklarheit √ľber Ausgestaltung der Forschugsdatenzug√§nge
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00:32:43.004 Wie Forschungsdatenzugänge sein sollten
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