Sternengeschichten   /     Sternengeschichten Folge 600: Pr√§-Astronautik - Waren die Aliens schon zu Besuch auf der Erde?

Description

Ist die Erde in der Vergangenheit von Aliens besucht worden? Und haben sie dabei Spuren hinterlassen? Was es √ľber die Pr√§-Astronautik aus (un)wissenschaftlicher Sicht zu sagen gibt, erfahrt ihr in der neuen Folge der Sternengeschichten: Wer den Podcast finanziell unterst√ľtzen m√∂chte, kann das hier tun: Mit PayPal (https://www.paypal.me/florianfreistetter), Patreon (https://www.patreon.com/sternengeschichten) oder Steady (https://steadyhq.com/sternengeschichten)

Subtitle
Wer hat die Pyramiden wirklich gebaut?!
Duration
883
Publishing date
2024-05-24 05:00
Link
https://sternengeschichten.podigee.io/600-sternengeschichten-folge-600-pra-astronautik-waren-die-aliens-schon-zu-besuch-auf-der-erde
Contributors
  Florian Freistetter
author  
Enclosures
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Shownotes

Wer hat die Pyramiden wirklich gebaut?!

Sternengeschichten Folge 600: Prä-Astronautik - Waren die Aliens schon zu Besuch auf der Erde?

"Es ist nicht auszuschlie√üen, dass Artefakte dieser Besuche [von Aliens] heute noch existieren oder dass im Sonnensystem eine Art von Basis unterhalten wird, um weitere Forschung durchf√ľhren zu k√∂nnen."

Die Person, die diesen Satz geschrieben hat, und die davon spricht, dass die Erde in der Vergangenheit Besuch von Außerirdischen bekommen haben könnte und wir die Spuren dieses Besuchs auch heute noch finden könnten, war kein komischer Spinner. Der Satz stammt aus einem wissenschaftlichen Aufsatz, der 1963 in der Fachzeitschrift "Planetary and Space Science" veröffentlicht worden ist und der Autor ist Carl Sagan, einer der bekanntesten und bedeutendsten Astronomen des 20. Jahrhunderts. Bevor wir aber nachsehen, was Sagan da noch alles geschrieben hat, ob er das ernst gemeint hat und was davon zu halten ist, gehen wir noch ein bisschen weiter in die Vergangenheit. In der heutigen Folge der Sternengeschichten geht es um die Prä-Astronautik, die auch gerne "Paläo-Seti" genannt wird. In dieser Disziplin beschäftigt man sich mit der Frage, ob in der fernen Vergangenheit der Erde vielleicht schon mal intelligente Außerirdische zu Besuch gekommen sind und ob sie dabei Spuren hinterlassen haben.

Den ersten Teil der Frage kann man innerhalb gewisser Grenzen durchaus wissenschaftlich untersuchen. Man kann sich fragen, ob es intelligente Au√üerirdische geben kann, ob sie in der Lage w√§ren, die Erde zu erreichen, wie wahrscheinlich das ist, und so weiter. Der zweite Teil der Frage f√ľhrt uns dann aber aus der echten Wissenschaft hinaus und hinein in die Para- oder Pseudowissenschaft. Wenn wir irgendwelche antiken Bauwerke wie zum Beispiel die Pyramiden vermessen um daraus ableiten zu k√∂nnen, dass sie in Wahrheit von Aliens erbaut worden sind, dann setzen wir einen Forschungsgegenstand voraus, den wir durch die Forschung erst belegen wollen. Das ist im besten Fall Parawissenschaft, also eine Art von Suche nach Erkenntnis, die prinzipiell mit wissenschaftlichen Methoden arbeitet, aber au√üerhalb der Wissenschaft steht. Im schlechtesten und bei diesem Thema auch im h√§ufigsten Fall, haben wir es aber mit Pseudowissenschaft zu tun, die nur so tut, als w√§re sie Wissenschaft, es aber definitiv nicht ist.

Wir lassen jetzt die Wissenschaftsphilosophie mal beiseite und schauen uns an, wer √ľberhaupt auf die Idee gekommen ist, dass irgendwelche Aliens uns schon l√§ngst besucht haben k√∂nnten. Das ist eine Frage, die nat√ľrlich nicht so leicht zu beantworten ist, weil wir da schon mitten in der Pr√§-Astronautik selbst gelandet sind. Wenn man den eher kreativeren und unwissenschaftlicheren Vertretern dieser Disziplin folgt, dann sind quasi alle alten und antiken Texte voll mit Beschreibungen solcher Besuche. Wenn wir das vorerst mal ignorieren, dann kann man den Beginn der Pr√§-Astronautik im 19. und fr√ľhen 20. Jahrhundert ansetzen. Das war auch die Zeit, in der die ersten Science-Fiction-Geschichten im modernen Sinn ver√∂ffentlicht worden sind; in der Leute wie Jules Verne √ľber Reisen ins All spekuliert haben und wenn man mal da angelangt ist, liegt die Idee auch nicht fern, dass irgendwelche Wesen von anderswo durchs All zu uns gelangt sind.

Einer der ersten, der sich sehr konkret und nicht im Rahmen der Science Fiction dar√ľber Gedanken gemacht hat, war der russische Mathematiker Mates Mendelevich Agrest. Er hat 1961 einen Artikel mit dem Titel "Kosmonauten der Antike" verfasst und darin schon viele der Themen vorweg genommen, die sp√§ter in der Pr√§-Astronautik sehr popul√§r werden sollten. Zum Beispiel die Idee, dass die Geschichte der Zerst√∂rung von Sodom und Gomorrah aus der Bibel in Wahrheit eine Atombombenexplosion beschreibt, die von Aliens ausgel√∂st worden ist. Oder das die pr√§historischen Ruinen von Baalbek, im heutigen Libanon, in Wahrheit Lande- und Startpl√§tze f√ľr au√üerirdische Raumschiffe waren.

Agrest ist heute eher unbekannt, deutlich bekannter ist dagegen Konstantin Ziolkowski. Er war einer der Begr√ľnder der modernen Raumfahrt und seine mathematischen Gleichungen zum Raketenflug werden auch heute noch verwendet. Etwas weniger bekannt ist, dass Ziolokowski auch sehr spezielle Vorstellungen davon hatte, was im Weltall alles so abgeht. Eine komplette Darstellung seiner "kosmischen Philosophie" w√ľrde zu weit f√ľhren, aber f√ľr Ziolkowski war das Universum so eine Art von lebendiges Wesen, voll mit lebendigen Himmelsk√∂rpern und lebendigen Atomen, und so weiter. Und auch voll mit √ľbermenschlichen, √ľbersinnlichen Aliens, mit Weltraum-Engeln, die die Gedanken der Menschen lesen und sie beeinflussen k√∂nnen, um ihnen so Botschaften zu schicken. Und nat√ľrlich war Ziolkowski selbst auch Empf√§nger der Alien-Engelsbotschaften und einer der Gr√ľnde, warum er die Menschheit so dringend ins All aufbrechen sehen wollte, war seine √úberzeugung, dass wir uns dort dann selbst zu solchen √úberwesen entwickeln k√∂nnen.

Aber gut, lassen wir die Weltraumengel beiseite und schauen wieder auf die etwas handfesteren Behauptungen der Prä-Astronautik. Denn prinzipiell ist das, was Leute wie Mates Agrest behaupten, ja nicht unmöglich. Auch in den 1960er Jahren wussten wir schon, dass man Raketen ins All schießen kann und das es möglich ist, damit Menschen zu transportieren. Und wenn das geht, warum sollen dann weitere Reisen unmöglich sein? In den 1960er Jahren war es auch aus wissenschaftlicher Sicht nicht unplausibel, davon auszugehen, dass es andere Planeten bei anderen Sternen gibt und das dort ebenfalls Leben entstehen kann. Es ist also auch nicht unmöglich, dass irgendwelche Aliens auf die Idee kommen, Raumschiffe zu bauen und durch die Gegend zu fliegen. Und wenn sie dabei auf der Erde gelandet sind, haben sie vielleicht Spuren hinterlassen.

Eine sehr originelle Idee dieser Art hatte 1960 der amerikanische Astronom Thomas Gold. Ihn kennt man heute vor allem f√ľr seine Zusammenarbeit mit dem englischen Astrophysiker Fred Hoyle und die daraus entstandene Steady-State-Kosmologie, eine Alternative zum Urknall-Modell, von der ich in Folge 491 mehr erz√§hlt habe. In einem kurzen Aufsatz mit dem Titel "Kosmischer M√ľll" spekuliert Gold dar√ľber, dass wir Menschen ja bald in der Lage sein werden, andere Himmelsk√∂rper im Sonnensystem zu besuchen. Und wenn wir das tun, dann k√∂nnten wir dabei auch Mikroorganismen von der Erde dorthin mitbringen. Also k√∂nnte es ja auch sein, dass vor ein paar Milliarden Jahren vielleicht Aliens die damals noch unbelebte Erde besucht haben. Und dabei ihre Mikroorganismen zur√ľck gelassen haben. Ob das jetzt passiert ist, weil sie ihr Alien-Butterbrotpapier einfach weggeworfen haben, ob der Besuch bei der Erde vielleicht nur eine Pinkelpause mit entsprechenden Verunreinigungen war oder ob die Alien-Mikroorganismen anderweitig geliefert worden sind: Dar√ľber sagt Gold nichts. Aber auch hier ist die These zumindest nicht unm√∂glich. Und aus diesen Mikroorganismen die die Aliens hier gelassen haben, ist dann das Leben auf der Erde und schlie√ülich auch die Menschheit entstanden.

Womit wir jetzt wieder bei Carl Sagan und dem Zitat vom Anfang sind. Carl Sagan verdient definitiv irgendwann mal eine eigene Folge der Sternengeschichten. Er war einer der f√ľhrenden Planetologen seiner Zeit, ein Pionier der Astrobiologie; er hat bei fast allen wichtigen Raummissionen im 20. Jahrhundert mitgearbeitet, bei denen Mars, Venus und die anderen Planeten erforscht worden sind. Sagan war es, der die Idee hatte, die Pioneer- und Voyager-Sonden mit Botschaften auszustatten, die von etwaigen Aliens entschl√ľsselt werden k√∂nnen, wenn sie in ferner Zukunft gefunden werden sollten. Und Sagan hat sich offensichtlich auch viele Gedanken dar√ľber gemacht, ob Aliens auch uns kontaktiert k√∂nnen oder schon kontaktiert haben. Der erste Fall ist das, was wir heute als SETI kennen, also Projekte, bei denen wir versuchen, Botschaften von Au√üerirdischen aus dem All zu empfangen und nat√ľrlich war es auch da wieder Sagan, der den Weg daf√ľr bereitet hat. Der zweite Fall ist der, der die Pr√§-Astronautik interessiert und auch Carl Sagan interessiert hat, in dem zu Beginn erw√§hnten Fachartikel mit dem Titel "Direkter Kontakt zwischen galaktischen Zivilisationen durch relativistischen interstellaren Raumflug". Darin geht er davon aus, dass sich auch anderswo in der Milchstra√üe intelligentes Leben entwickelt hat. Und dass dieses intelligente Leben in der Lage war, interstellaren Raumflug zu betreiben. Dass das nicht unm√∂glich ist, belegt Sagan durch Hinweise auf entsprechende Antriebssysteme, die damals - und heute √ľbrigens immer noch - nur in Theorie existiert haben, aber zumindest wissenschaftlich belegt zeigen, dass sich die gro√üen Distanzen zwischen den Sternen zur√ľcklegen lassen, in Zeir√§umen, die kurz genug ist, um es auch Lebewesen zu erlauben, die Reise zu √ľberleben. Ich lasse die Details jetzt weg; es geht um Raumschiffe, die den Treibstoff f√ľr die Reise unterwegs aus der interstellare Materie einsammeln und nat√ľrlich um die Effekte der Relativit√§tstheorie, durch die zwar aus der Sicht von au√üen sehr, sehr viel Zeit vergeht, f√ľr die Crew im sich sehr schnell bewegenden Raumschiff aber sehr viel weniger. Am Ende kommt Sagan jedenfalls zu dem Schlu√ü, dass es zumindest nicht unm√∂glich ist.

Danach sch√§tzt er ab, wie viele solcher Zivilisationen es geben k√∂nnte, wie lange sie √ľberleben, wie oft sie durch die Milchstra√üe fliegen, und so weiter, und kommt zu dem Ergebnis, dass - rein statistisch gesehen - die Erde im Laufe ihrer Existenz ein paar zehntausend Mal besucht werden h√§tte k√∂nnen. Die meisten dieser Besuche h√§tten nat√ľrlich stattgefunden, als noch kein Leben und schon gar keine Menschen existiert haben. Aber auch in der Fr√ľhgeschichte der Menschheit w√§ren Alien-Besuche m√∂glich gewesen und vielleicht gibt es da ja noch Spuren? Schriftliche Aufzeichnungen oder √úberlieferungen sind laut Sagan aber keine gute Quellen; sie √§ndern sich zu schnell; werden mit mythologischen Elementen angereichert und am Ende wei√ü niemand, was da wirklich beschrieben wird oder ob es √ľberhaupt einen realen Hintergrund gibt. Aber, und darauf bezieht sich das Zitat vom Anfang: Vielleicht haben sie Dinge hinterlassen, irgendwelche Alien-Ger√§te oder gar eine Basis, die automatisiert weitere Beobachtungen anstellt oder f√ľr zuk√ľnftige Besuche bereit steht. Auf der Erde selbst sollte man aber eher nicht danach suchen, die geologischen Vorg√§nge und die Verwitterung w√ľrden sowas im Laufe der Zeit zerst√∂ren beziehungsweise w√ľrden Menschen damit rumspielen, die das nicht sollen. Aber, so Sagan, der Mond und vor allem die von der Erde aus nicht sichtbare R√ľckseite des Mondes w√§re ein guter Ort, um so etwas zu verstecken. Die - aus Sagans damaliger Sicht - bald stattfindenden Erforschung des Mondes wird uns zeigen, ob da was dran ist, oder nicht.

Nun ja. Bis jetzt haben wir keine Alien-Basis auf dem Mond gefunden. Und auch keine Alien-Artefakte auf der Erde. Ich will mich auch gar nicht weiter mit Leuten wie Zecharia Sitchin oder Erich von D√§niken besch√§ftigen, die die Pr√§-Astronautik ab den sp√§ten 1960er Jahren wirklich popul√§r gemacht haben. Das, was da behauptet wird, hat mit Wissenschaft nicht einmal ann√§hernd was zu tun. Es w√§re m√ľ√üig, jetzt der Reihe nach den ganzen Unsinn mit dem kolumbianischen Goldflugzeugen, den √§gyptischen Gl√ľhbirnen, der Grabplatte von Palenque und all den anderen angeblichen "Beweisen" f√ľr die Existenz von antiken Alienastronauten durchzudiskutieren. Die echte Wissenschaft ist durchaus in der Lage diese Dinge ohne den R√ľckgriff auf Aliens zu erkl√§ren und die Fans der Pr√§-Astronautik werden so oder so nicht davon abr√ľcken, √ľberall Hinweise auf alte UFOs und Au√üerirdische zu sehen.

Es ist durchaus verst√§ndlich, davon fasziniert zu sein. Und es IST nicht unm√∂glich, dass intelligente Aliens existieren, dass sie uns besuchen oder das sie uns in der Vergangenheit besucht haben. Aber man darf sich von der Faszination nicht den Blick auf die Realit√§t verstellen lassen. Nur weil man sich w√ľnscht, dass etwas wahr ist, wird es dadurch nicht wahr. Das, was Erich von D√§niken und Co treiben, hat mit Wissenschaft oder auch nur mit dem seri√∂sen Versuch der Erkenntnis nichts zu tun. Wenn man sich auf wissenschaftlicher Basis mit dem Thema besch√§ftigt, dann so, wie Carl Sagan es getan hat. Wir wissen sehr viel nicht, wir k√∂nnen bei vielen Dingen - wie etwa der Wahrscheinlichkeit, dass intelligentes Leben anderswo existiert oder wie lange so eine Zivilisation existiert - im Wesentlichen nur raten. Wir k√∂nnen heute ein kleines bisschen besser raten als es Sagan in den 1960er Jahren konnte, aber mehr als raten ist es eigentlich immer noch nicht. Und je nachdem wie optimistisch oder pessimistisch wir sein wollen, kommen wir dabei zu unterschiedlichen Ergebnissen. Und dem muss man sich bewusst sein. Selbst der sehr optimistische Carl Sagan spricht immer nur von der rein statistischen Wahrscheinlichkeit, dass so ein Besuch nicht unm√∂glich ist. Aber beendet seinen Aufsatz dann wieder mit einem positiven Blick in die Zukunft. Wir werden, so Sagan, in den kommenden Jahrzehnten Botschaften ins All schicken k√∂nnen, die hunderte Lichtjahre weit reichen. Wenn so eine Botschaft von Aliens empfangen wird, dann k√∂nnte das f√ľr sie der Ausgangspunkt f√ľr eine gezielte interstellare Reise zur Erde sein. Das w√ľrde dann zwar noch ein paar hundert Jahre dauern, aber, so Sagan, "hoffentlich wird es dann immer noch eine florierende irdische Zivilisation geben, die die Besucher von den fernen Sternen begr√ľ√üen kann".